SPNV-Abbestellungen 2016/2017

SPNV Pritzwalk - Putlitz
Die Gültigkeit des Fahrplans 2015/2016 endete planmäßig zum 31.07.2016, da die "Verkehrsgesellschaft Prignitz" zum 01.08.2016 aufgelöst wurde. Der Neustrukturierung des öffentlichen Nahverkehrs rund um Pritzwalk fiel daraufhin die Bahn nach Putlitz zum Opfer: Da diese Verkehre weder in die Ausschreibung des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) für die Schienenpersonenverkehrsleistungen rund um Pritzwalk im Zeitraum von Dezember 2016 bis Dezember 2018 noch in die Ausschreibung des Landkreises für die neuen Buslinien rund um Pritzwalk ab August 2016 aufgenommen worden waren, war somit Freitag, der 29.07.2016, der letzte Betriebstag im SPNV - wieder einmal, war der SPNV doch schon im Dezember 2006 von Land und Verkehrsverbund aufgegeben (wie hier berichtet), dann aber im Sommer 2007 als werktäglicher Schülerverkehr reaktiviert worden. Um 16:56 Uhr hieß es letztmalig "Endstation Putlitz", das Stilllegungsverfahren nach §11 AEG wurde zeitnah eingeleitet - mit Ende der Bewerbungsfrist für Dritte zum 27.02.2017. So verkehrten am 25./26.02.2017 dann auch bereits die letzten öffentlichen Sonderfahrten vor der Stilllegung der Infrastruktur für Zugfahrten aller Art. Fotos

SPNV Gera Süd - Wünschendorf Nord
Kaum war der letzte Personenzug am 20.10.2016 mit einer maximal zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 10km/h über die Liebschwitzer Elsterbrücke gerollt, wurde das Streckengleis kurz hinter Wünschendorf Nord in Richtung Gera bereits unterbrochen und dann schließlich zum neuen Verbindungsgleis nach Gera Zwötzen umgeschwenkt. Seit dem 24.10.2016 werden hierüber alle Zugfahrten zwischen Wünschendorf Nord und Gera abgewickelt. Eingestellt wurde damit der Personenzugbetrieb an den Stationen "Gera Ost" und "Gera Liebschwitz". Auch wenn an diesen bisherigen Bedarfshalten zukünftig weiterhin Bedarf bestehen sollte: Der Zug ist damit abgefahren. Hiermit erspart sich der DB-Konzern die Sanierung bzw. den Neubau der Liebschwitzer Elsterbrücke. Auch hier folgte daher zeitnah nach Abschluss eines Verfahrens nach §11 AEG die Gesamtstillleung des Infrastrukturbetriebs. Fotos

SPNV Großheringen - Buttstädt
Etwa zehn Jahre nach der Einstellung des SPNV zwischen Straußfurt und Sömmerda im Dezember 2007 (wie hier berichtet) ging das Sterben auf Raten für die "Pfefferminzbahn" nun weiter. Als in der "Vorinformation zur Ausschreibung der Verkehrsleistungen im Zeitraum von 2017 bis 2024" im Dezember 2015 nur noch Zugleistungen von Sömmerda bis Buttstädt veröffentlicht wurden, kam dies eigentlich bereits einer (verdeckten) Ankündigung der Einstellung des Personenzugbetriebs zwischen Buttstädt und Großheringen gleich. Die offizielle Bestätigung erfolgte im Verlauf des Jahres 2016, sodass die "Erfurter Bahn" als Gewinner der o. g. Ausschreibung lediglich mit der Fortführung der bislang von DB Regio zwischen Sömmerda und Buttstädt durchgeführten Personenverkehre beauftragt wurde, während der Betrieb zwischen Buttstädt und Großheringen mit dem letzten Betriebstag von DB Regio zum 09.12.2017 eingestellt wurde. Auch eine Petition an den Thüringer Landtag zum Erhalt des SPNV bis Großheringen war zuvor erfolglos geblieben. Fotos
Und so der noch verbliebene Verkehr zwischen Sömmerda und Buttstädt tatsächlich dauerhaft gesichert werden kann, darf wohl bezweifelt werden. Immerhin verliert die Strecke im SPNV ihre Anbindung an die Hauptstrecke Saalfeld - Halle in Großheringen, was sicherlich nicht zur besseren Auslastung der Züge beitragen wird...Zudem beantragte die Thüringer Eisenbahn GmbH als Infrastrukurbetreiber auf Grund der drastisch gekürzten Streckenauslastung eine Erhöhung der Trassenpreise, welche die Wirtschaftlichkeit des SPNV im Hinblick auf die schon in wenigen Jahren wieder anstehende Entscheidung über den Betrieb ab Dezember 2024 weiter in Frage zu stellen droht.
Bundesweit für Aufsehen sorgte so schon der letztendlich erfolglose Versuch zwischen Januar und März zusätzliche Verstärkerzüge zwischen Buttstädt und Sömmerda anzubieten, um für die nachträgliche Bestellung zusätzlicher Zugfahrten zu werben.

SPNV Waren - Inselstadt Malchow
Als im Dezember 2014 das neue Verkehrskonzept für die "Mecklenburger Südbahn" - trotz aller Proteste vieler Bürger/innen - mit der Einstellung des SPNV auf dem Abschnitt Parchim - Karow - Inselstadt Malchow umgesetzt wurde (wie hier berichtet), wurde von den Befürwortern immer darauf verwiesen, dass hiermit immerhin doch zumindest der ursprünglich ebenfalls einstellungsbedrohte SPNV auf dem Restabschnitt Inselstadt Malchow - Waren erhalten bliebe. Aus einer kleinen Anfrage im Landtag Mecklenburg-Vorpommern vom 15.06.2015 ging dann aber hervor, dass dieser tatsächlich nur für zunächst drei Jahre bis Dezember 2017 bestellt worden war. Erst innerhalb dieses Zeitraums sollte über eine Weiterbestellung in Abhängigkeit der Fahrgastnachfrage (auf der zuvor auf ein Minimum reduzierten Strecke!) entschieden werden. Es folgte daraufhin eine lange "Hängepartie" ehe schließlich die Hanseatische Eisenbahngesellschaft (HANS) den Zuschlag zur Fortsetzung dieser Verkehre ab Dezember 2017 erhielt, die sich einige Jahre zuvor sogar - leider vergeblich - in der eigenwirtschaftlichen Fortsetzung der Verkehre zwischen Inselstadt Malchow und Parchim versucht hatte.

SPNV Velgast - Barth
Jahrelang wurde schon über eine Verlängerung der Strecke in Form eines Wiederaufbaus der alten Darßbahn von Barth in Richtung Zingst politisch gerungen. So wurde unter anderem über eine Anbindung von Barth über Zingst und Prerow nach Graal-Müritz nachgedacht, um eine neue Direktverbindung für Urlauber zu schaffen und den erheblichen Straßenverkehr zu reduzieren. Noch in einem Fernsehbeitrag des RBB-Fernsehens vom 29.07.2015 hatten sich der Landkreis und der Bürgermeister von Zingst für die Reaktivierung ausgesprochen, während lediglich der Bürgermeister von Pruchten dagegen protestierte, wo aber mit etwa 700 Einwohnern lediglich etwa ein Drittel so viele Menschen wohnen wie in Zingst. Doch erstaunliche Unterstützung hatte er in jenem Fernsehbeitrag vom Verkehrsminister erhalten, der ernsthaft auf ein Gefährdungspotenzial verwies, wenn Autofahrer durch hinter Kurven gelegene Schranken überrascht würden... (!). Und während manch Usedomer darüber noch den Kopf geschüttelt haben mag, wurden auf einmal ganz andere Fakten geschaffen: Nicht einmal der bestehende SPNV von Velgast bis Barth wurde noch in die neue Ausschreibug der UBB-Verkehrsleistungen des Landes Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen. Es folgte schließlich auch hier eine lange "Hängepartie" ehe es schließlich mit bundespolitischem Rückenwind gelang sich auf ein Festhalten an der geplanten Verlängerung der Strecke über Barth hinaus zu einigen und daraufhin auch "in letzter Minute" die Fortsetzung des SPNV zwischen Velgast und Barth zu bestellen. 

SPNV Thalheim - Aue
Auch hier hatte sich bei einer Ausschreibung zunächst herausgestellt, dass da eine Strecke fehlte: In der Ausschreibung "SPNV Dieselnetz Erzgebirge" vom Dezember 2015 waren zahlreiche SPNV-Leistungen im Gebiet des ZVMS für den Zeitraum ab Dezember 2017 geregelt worden (Chemnitz - Cranzahl, Chemnitz - Olbernau-Grünthal, Zwickau - Johanngeorgenstadt), aber nicht (mehr) für die Strecke Chemnitz - Thalheim - Aue (Stand 12/2015). Auch hier war daher befürchtet worden, dass daher über den Dezember 2017 hinaus keine SPNV-Bestellungen zwischen Thalheim und Aue mehr geplant sind. Im Oktober 2016 wuren dann aber verstärkt schienengebundene Möglichkeiten zur Anbindung der Verkehre zwischen Chemntítz und Thalheim nach Aue diskutiert und wenig später auch eine geplante Einstellung des SPNV dementiert. Und so fährt der Zug weiter - hoffentlich nicht nur vorerst.