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Landschaft erfahrbar machen

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1996 begann auch in Deutschland eine völlig neue Form der Nutzung vorhandener, im Personen- und Güterverkehr nicht mehr benötigter bzw. befahrbarer Eisenbahngleise: Der Einsatz von "Draisinen" als Schienenleichtfahrzeuge, die nicht motorisiert Fahrgäste befördern, sondern durch die Nutzer selbst per Muskelkraft angetrieben werden.  Eröffnet wurde die erste Draisinenbahn 1996 zwischen Fürstenberg und Templin auf einer Länge von 41 Kilometern und spätestens mit Eröffnung der Draisinenverkehre auf der "Glantalbahn" Altenglan - Staudernheim im Jahr 2000 erlangte diese völlig neue Nutzungsmöglichkeit bundesweit Bekanntheit.
Die eisenbahnrechtliche Einodnung solcher Verkehre war auf der Grundlage der seinerzeit vorhandenen Gesetzgebung schwierig und führte zu unterschiedlichen Rechtsauslegungen in den einzelnen Bundesländern, die für alle Eisenbahnen zuständig sind, die nicht von der DB AG mehr betrieben werden.
Schnell wuchs die Begeisterung und das Interesse in vielen Regionen, da "tote Gleise" mit vergleichsweise wenig Aufwand wiederbelebt werden konnten und ganz neue touristische Perspektiven entstanden. So entstanden innerhalb weniger Jahre zahlreiche Neuverkehre. Immerhin konnte so auf den hohen Aufwand zum Abbau der Gleise und zur Anlage eines Radwegs verzichtet werden ohne auf das Erlebnis des "Fahrrad fahrens" verzichten zu müssen! Und zugleich im Sinne der Nachhaltigkeit vorhandene Schieneninfrastruktur für die Möglichkeit einer späteren Reaktivierung erhalten werden können. So wurden bundesweit zahlreiche Draisinenbahnen in den Folgejahren nach 2000 eröffnet, eine Aufzählung im Einzelnen würde hier zu weit führen.
Traten anfangs in der Regel Kommunen bzw. Touristikorganisationen selbst als Betreiber der Draisinenbahnen auf, gründeten sich dann aber auch zunehmend private Betriebsgesellschaften. Teilweise kam es auch zu Privatisierungen, indem der Betrieb auf einen privaten Betreiber übertragen wurde.
Berücksichtigt man ausschließlich Draisinenverkehre auf Strecken mit einer Länge von mindestens zwei Kilometern, so wurden bis ins Jahr 2017 auf insgesamt etwa 36 Eisenbahnstrecken in Deutschland ein regelmäßiger Draisinenbetrieb eingerichtet. Das häufigste Fahrzeug ist dabei die "Fahrrad-Draisine", die durch ein Fußpedal angetrieben wird und im Laufe der Zeit immer weiter entwickelt wurde. Hierzu gehören die Reduzierung des Fahrzeuggewichts, die Verwendung vom Fahrrad bekannter Gangschaltungen, die Erprobung von Luftbereifung und schließlich auch in jüngster Zeit zunehmend E-Draisinen, vergleichbar zum Pedelec.
Fast alle Draisinenverkehre konnten sich erfolgreich auf dem Markt etablieren: Im Jahr 2017 sind etwa 31 von 36 Draisinenstrecken in Betrieb, sodass auf etwa 517 Kilometer länge Touristen und Einheimische auf Draisinen über Schienenstrecken in Deutschland radeln können. Die wenigen Betriebseinstellungen waren zudem in der Regel auch nicht nachfragebedingt, sondern sich ändernden Rahmenbedingungen geschuldet (Eigentümerwechsel der Schieneninfrastruktur; anderer Nutzungsbedarf).
Die meisten Draisinenverkehre finden heute als "Eisenbahnen besonderer Bauart" im Sinne von "Anschlussbahnbetrieben" nach dem jeweiligen Landeseisenbahngesetz statt. Einige wenige "Draisinenbahnen" sind aber durchaus auch als öffentliche Eisenbahninfrastruktur nach §6 AEG genehmigt.

 
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